photo: Sebastian Kuhn | drehmomente.de

Wie sind Sie zum Triathlon Sport gekommen?
Als Kind war ich im Kinderballet, Mitglied der Pfadfinder und spielte Schlagzeug. Als ich 12 Jahre alt war habe ich mit Sport begonnen. Einmal in der Woche ging ich zum Schwimmunterricht (Schwimmclub Spiez) aber nur weil ich dadurch den Religionsunterricht 15min früher verlassen durfte um den Bus nicht zu verpassen. Das ist nun 18 Jahre her und es hat sich viel verändert. In der Zwischenzeit war ich 10 Jahre Mitglied der Schweizer Schwimm- und 2 Jahre Mitglied der Schweizer Rad Nationalmannschaft. Habe 17 Meistertitel im Becken und einen auf der Strasse gewonnen. Der 2 Tages Gigathlon in 2005, vom Tessin nach Basel, hat mich dem Triathlon Sport näher gebracht, speziell der Langdistanz.

Zu Beginn nimmt es uns wunder was für dich Grenzen sind? nicht nur auf Triathlon und Sport bezogen etwas allgemeiner erfasst.
Grenzen kann ein Moment sein in dem du denkst „da geht es nicht weiter“. Kann aber auch einen Gefühl von Unsicherheit sein.

Was verstehst du Persönlich unter Grenzerfahrung?
Wenn man so ans Limit kommt, dass man glaubt es körperlich nicht mehr schaffen zu können.

Unsere Arbeit handelt von der „Grenzerfahrung Triathlon“. Erlebst du einen Triathlon als Grenzerfahrung? Wen Ja in welchem Rahmen und wie fühlt sich das an?
Den Langdistanz Triathlons (IRONMAN Distanzen 1.9/180/42km) erlebe ich immer als persönliche Grenzerfahrung weil ich dort immer an mein Limit gehe. Spätestens nach 7-8 Stunden Höchstleistung kommt den Körper an eine Grenze die nur noch mental zu bewältigen ist. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wenn ich Mental nicht in Höchstform bin, ich das Rennen weniger erfolgreich beende als sonst. Hmm, wie fühlt sich das an? Etwa wie ein kleiner Teufel auf Deiner Schulter sitzt und dir negative Dinge zuruft. Dein Körper schaltet auf Notzustand und dein Kopf versucht dich zu überlisten.

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Wir gehen davon aus, um das du im Training Täglich an deine Körperliche Grenzen gehen musst um dich weiter zu entwickeln, wie gelingt dir das dich Tag für Tag zu Motivieren und zu „Quälen“?
Das ist ganz einfach. Ich habe mein Leidenschaft Sport zum Beruf gemacht. Ich lebe meinen Traum als Profi Sportlerin, das können nur wenige und ich bin mir dessen bewusst. Daher, ich weiss das Privileg zu schätzen und mache das Beste daraus … jeden Tag.

Wie und in welcher Form Zeigt dir dein Körper Grenzen auf?
Das kann ganz unterschiedlich sein. Verletzungen, Müdigkeit, Appetit Losigkeit, Emotional Entscheidungen treffen, keine Lust zu trainieren. Ich sage immer der Profisport ist eine Gratwanderung zwischen „an die Grenzen zu gehen / das optimale herausholen“ und „die Grenze zu überschreiten / verletzt zu sein“.

Beim Ironman Triathlon wird oft von der Mentalen Stärke gesprochen. Wie bereitest du dich Mental auf das Training und auf ein Rennen vor damit du nicht Psychisch an deine Grenze stösst?
Einen Ironman solltest Du sicher immer erholt antreten. Ich bereite mich mental vor, indem ich so viele positive Erlebnisse/Emotionen wie möglich (auf vorgängige Rennen bezogen) in Erinnerung rufe. Sei das mit Bildern von einem Zieleinlauf, einen alten Zeitungsbericht oder ein Video eines Rennberichtes. Positive Gedanken machen mich stark und geben mit Selbstvertrauen.

Was War bis jetzt deine Positivste Erfahrung bezüglich Grenzen und Wettkampf?
Positivste Erfahrung war als ich wusste, ich kann unerwartetes erfolgreich meistern und ick kann an meine Grenzen gehen. Das können nicht alle!

Du lebst zur Zeit als Profi Triathletin in Australien, wie müssen wir uns einen Tag von Caroline Steffen vorstellen?
Ich stehe normalerweise um 4.30Uhr auf, mache mir einen Café den ich auf dem Weg in den Pool geniesse. Um 5.00 startet das Schwimmtraining. Um 7Uhr gibt’s zu Hause Frühstück. Dann 2h Erholung, meistens erledige ich Interview Anfragen oder beantworte Email, schreibe Blogs oder bin mit Sponsoren in Kontakt. Dann um 9.00 ist die zweite Einheit. Das kann eine Laufeinheit oder auch was Längeres auf dem Rad sein. Das ist sehr unterschiedlich. Habe ich 3 Einheiten im Tag starte ich die dritte etwa um 4Uhr (wegen der Hitze), habe ich eine längere Einheit die schon um 9Uhr startet bin ich wohl nicht vor 3Uhr zuhause. Meistens gibt es dann etwas früher Nachtessen da ich den Lunch verpasste. Dann Erholung, ev. Massage, Haushalt erledigen, Einkaufen gehen und im 9Uhr ist Bettruhe.

Wie gehest du mit dem Seiltanz zwischen gesunder und ungesunder sportlicher Belastung um?
Ich investiere jeden Tag (neben dem Training) viel Zeit, um meinen Körper gesund zu halten. Sei das mit Massagen, Übungen zur Stärkung von Schwachstellen, Salzbad zur Erholung, Gymnastik oder einfach gesunder Ernährung. Ebenfalls versuche ich nach der Letzten Einheit des Tages gedanklich abzuschalten und mein Interessen und Aufmerksamkeit anderen Sachen zu widmen als dem Sport. Das Leben ausserhalb des toughen Trainingsalltages zu geniessen.

Man liest immer wieder von Sportlern, welche ihre Grenzen mit Doping erweitern. Wie ist dies Ihrer Meinung nach zu erklären?
Na ja für mich ist das Betrug am eigenen Körper. Das hat nichts mehr mit Grenzerfahrung zu tun, die Grenzen wurden dann schon klar überschritten.

Was motiviert Sie am meisten, Leistung zu erbringen?
Emotionen und Happiness

Wie häufig denken sie über ihre eigenen Grenzen bezüglich des Leistungssports nach und was Denken sie dabei?
Eigentlich nie, da solche Gedanken mich wohl nur hindern würden erneut an die Grenzen zu gehen. Grenzen muss man erfahren/spüren, nicht aber darüber nachdenken. Das ist nur unnötiger Energie/Zeitverbrauch.

Was macht dir an ihrem Sport keinen Spass und welche Grenze würde dich reizen zu überschreiten, du aber nicht kannst weil du eben Profisportlerin bist?
Das ich an bestimmte Trainingsplanung gebunden. Jede Einheit ist auf die nächste abgestimmt, da gibt es wenig Freiheit. Manchmal würde ich lieber nach Lust und Laune trainieren, doch das kann ich mir das nicht leisten. Grenzen überschreiten mit verrückten Abenteuer Touren, das kann ich auch noch nach dem Leistungssport erleben.

Beschreiben uns doch bitte eine persönliche Grenzerfahrung bezüglich ihres Sports.
Eine Grenzerfahrung erlebte ich letzten Sommer am Ironman in Frankfurt. Nach den 180km Rad kam ich in die Wechselzone und jemand rief mir zu: "Du hast 16min Vorsprung". Ja super dachte ich, das sollte ich packen. Welche Hürden sich mir in den kommenden 42.2km bieten würden konnte ich ahnen als ich bei km1 den ersten Krampf in meinen Beinen hatte. Es zog vom unteren Rückenbereich über das Gesäss, Hamstring bis runter in die Waden (links und rechts). Ich konnte die Beine kaum noch anwinkeln und war gezwungen anzuhalten und zu Dehnen. Die Kälte (8 Grad) und der eisige Wind auf der Radstrecke schienen mir doch etwas mehr zugesetzt zu haben als gedacht. So was habe ich ja noch nie erlebt.
Ich lief weiter, dehnte, lief wieder ein paar km, dehnte... "Was mach ich hier eigentlich", fragte ich mich zuerst. Was nun? Mein Coach Brett hat mich gelernt was es heisst, Ironman Rennen zu bestreiten und auch zu gewinnen. Da gehört mehr dazu also nur schnelle Beine. Er hat mich gelernt, dass nicht immer alles nach Plan und Wunsch laufen kann. Er hat mich gelernt wie ich mit solchen Rennsituationen clever umzugehen habe um trotz aller unvorhergesehenen Schwierigkeit das Best mögliche Resultat heraus zu holen. Ich musste mich entscheiden ob ich aus dem Rennen aussteigen will, eine heisse Dusche nehme und mich anschliessend nerve weil ich es nicht versucht habe oder ... beisse mich durch, pokere mit kurzen Pausen und zugleich Zeitverlust doch ev. könnte es ja doch noch für den Titel und Ehre reichen? (Ich wollte doch so gerne auf den kaiserlichen Balkon in Frankfurt)
Ich bin wirklich froh, habe ich mich für Option 2 entschieden. Ich bin das Risiko einer ernsthaften Verletzung nie eingegangen, mein Problem war rein Muskulär bedingt (Kälte).
Nach meinem zweiten Platz vom letzten Jahr, ich wollte unbedingt gewinnen. Das war mein Ziel, auf diesen Moment habe ich das ganze Jahr herangearbeitet. Ich fühlte mich körperlich absolut am Limit doch ich wollte gewinnen und den Meistertitel gewinnen. Dieser Gedanke lies mich nicht los, ich kämpfte mich durch und gewann. Was nach dem Zieleinlauf war mag ich mich nicht mehr erinnern da ich (so wurde mir erzählt) gleich eingeschlafen bin.