Interview mit Swiss Swimming

Das Jahr 2010 war für die ehemalige Schwimmerin Caroline Steffen ein Jahr voller Emotionen. Das langjährige Mitglied der Nationalmannschaft(1993-2003) und ehemaliges Teammitglied vom Schwimmclub Spiez, Schwimmverein Baar und SV Limmat entschied sich vor Jahren, nach ihrer Schwimmkarriere auf den Triathlonsport umzusteigen. Mit grossem Erfolg: Im Jahr 2010 gewann die 32-Jährige die ITU Long Distance Triathlon World Championships, war Schnellste bei vier weiteren IRONMANs und gewann an der IRONMAN-WM in Hawaii die Silbermedaille. Zudem wurde die in Australien lebende Bernerin für ihre Leistungen für den renommierten Credit Suisse Sports Award 2010 nominiert.
Swiss Swimming (SS) hatte die Gelegenheit, ein kurzes Interview mit Caroline Steffen(CS) zu führen. Darin erzählt die ehemalige Schwimmerin von der Umstellung auf den Triathlon, den Unterschieden und gibt Tipps für die richtige Einstellung, um erfolgreich zu sein.

SS: Weshalb hast du dich entschieden, nach deiner Schwimmkarriere auf den Triathlon-Sport umzusteigen?
CS: Ich musste verletzungshalber den Schwimmsport aufgeben. Nicht aber den Sport im Allgemeinen. Ich habe angefangen zu laufen und Rad zu fahren. Das Eine ergab das Andere und nun bin ich Triathlon-Profi.
SS: Hattest du damals die Absicht, deine schwimmerische Erfahrung als Vorteil zu nutzen?
CS: Hatte ich. Doch nach meinem Rücktritt vom Schwimmsport hatte ich eine etwas zu lange Pause und Abwesenheit im Pool, ich verlor schnell sehr viel Wassergefühl und Geschwindigkeit . Ich hatte mich zu lange auf den Lorbeeren ausgeruht und somit viel der Grundlage verloren.
Sicherlich kann ich noch heute etwas von meinem schwimmerischen Background profitieren, doch mittlerweile bin auch ich wieder täglich im Pool und muss hart für meinen Erfolg arbeiten.
SS: Würdest du heute behaupten, du hättest einen Vorteil anderen Triathleten gegenüber?
CS: Bestimmt. In der Anfangsphase konnte ich mich hauptsächlich aufs Laufen und Radfahren konzentrieren. Ich hatte nur zwei Disziplinen von Grund auf neu zu lernen, nicht drei, wie viele andere.
SS: Gibt es Mentalitätsunterschiede zwischen Schwimmern und Triathleten? Was war für dich gewöhnungsbedürftig? Wo können Schwimmer dazu lernen?
CS: Ich denke, der grösste Unterschied besteht darin, dass es im Triathlon auch die Altersklassen gibt, was im Schwimmsport nicht vorhanden ist. Triathlon ist eine „Neuzeit-Sportart“, ein Sport für die breite Masse. Ob Profi-Schwimmen oder Profi-Triathlon: In beiden Sportarten muss man hart für den Erfolg arbeiten, beide bringen einen ähnlichen Lifestyle mit sich. Die Triathleten sind wohl etwas langsamer im Wasser, dafür ausdauernder an Land. Aber grundsätzlich sind es zwei verschiedene Sportarten die man nicht miteinander vergleichen sollte. Die Trainings gestalten sich unterschiedlich sowie auch die Renntaktik.

SS: Hatte dein Körper Mühe, sich an die neue Art der Trainingsbelastung zu gewöhnen (Laufen/Rad)? Schwimmer haben bekanntlich lockere Gelenke und daher oft Gelenkbeschwerden.
CS: Mein Gleichgewichtssinn hatte über die vielen Jahre im Wasser etwas gelitten, das konnte ich mit den Einheiten auf dem Rad aber schnell wieder gut machen. Mit den Lauftrainings habe ich mich etwas schwer getan. Zuerst hatte ich echt Mühe, mich über längere Zeit an Land auf den Beinen zu halten. Nach 1km laufen habe ich oft entnervt umgedreht und bin zurück nach Hause gelaufen. Es hat seine Zeit gebraucht, um die richtige Technik für mich zu finden.
SS: Wie haben sich mit den Triathlon deine Trainingseinheiten im Wasser verändert? Musstest du deine Technik verändern/anpassen?
CS: Ich schwimme bestimmt nicht mehr mit so viel Technik, wie noch vor Jahren. Technik nützt dir nicht viel, wenn du (wie am diesjährigen IRONMAN South Afrika) 2m hohe Wellen im offenen Meer zu bewältigen hast. Ich habe ebenfalls von 3er- auf 2er-Atmung umgestellt, um einen besseren Rhythmus zu finden. Für das "Windschattenschwimmen" ist es ebenfalls ein deutlicher Vorteil.
SS: Heute lebst du in Australien. Wie unterscheiden sich die Australier von den Schweizern bezüglich Begeisterung für den Sport und Mentalität?
CS: Das ist wie Tag und Nacht. Die Begeisterung für den Sport im Allgemeinen hat in Australien keine Grenzen, da bist du als Profi schon fast König. Nebst dem Australien Football, Pferdesport und Kricket ist auch Triathlon sehr beliebt und erhält grosse Aufmerksamkeit - auch in den Medien.
SS: Hast du Tipps, wie man eine Gewinnermentalität bekommt? Was ist für dich das Geheimnis des sportlichen Erfolgs?
CS: Ich denke, eine Gewinnermentalität hat man oder hat man eben nicht. Sportlicher Erfolg kommt von harter Arbeit, Engagement und Hingabe, zu dem, was man tut.
SS: Hast du einen Ratschlag, den du (jungen) Sportlern auf den Weg mitgeben kannst?
CS: All Deine Träume können war werden, wenn Du den Mut hast sie zu verfolgen.